… verzichtet man auf Dinge, die einem zur Gewohnheit geworden sind. Zumindest wird so die Fastenvariante für Nichtreligiöse beschrieben.
Da es immer mehr Menschen in meinem Umfeld gibt, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen in irgendeiner Form dem Vegetarismus hingeben, habe ich kurz vor Aschersmittwoch beschlossen, die Fastenzeit zu nutzen, um mich ebenfalls für sieben Wochen im Fleisch- und, weil’s so schön klassisch ist, Alkoholverzicht zu üben. Also faste ich.
Das ist gar nicht so schwer. Ich kaufte mir ein vegetarisches Kochbuch und stürzte mich auf Tofu und Hülsenfrüchte. Leider musste ich feststellen, dass ich Tofu ungenießbar finde und Hülsenfrüchte immer noch diese unvermeidbare und für den 8-Stunden-Tag im Büro untaugliche Auswirkung auf die Verdauung haben. Schade ist auch, dass die meisten Rezepte einen für mich ungewohnt hohen Anteil an Kohlehydraten beinhalten, der sich früher oder später negativ auf meine Figur auswirken würde. Die vegetarische Küche öffnet mir allerdings viele neue und kreative Wege mit Nahrungsmitteln zu kochen, die man in der Fleischküche von selten bis gar nicht verwendet. Und wenn man erst einmal die “Willst du uns was mitteilen”-Unterstellungen überstanden hat, ist der Verzicht auf Alkohol ebenfalls leicht zu bewätligen.
Abgesehen davon bin ich überrascht, wie leicht es in den knapp vier Wochen war, kein Fleisch zu essen. Nur jetzt wird’s irgendwie kritisch. Mir steigen mittlerweile die Gerüche, die so eine Currywurstbude erzeugt, ungewohnt intensiv in die Nase und lassen das Bratgut verdammt appetitlich erscheinen. So langsam verlangt auch mein Beißgefühl danach, sich mal wieder durch Fleischfasern zu arbeiten, und mein Kopf erzeugt Bilder von unwiderstehlich leckeren Steaks. Da wird es immer schwerer, nicht einfach ins nächste Steakhaus zu gehen. Ist doch komisch, dass einem Dinge ungewohnt unwiderstehlich und verführerisch vorkommen, nur weil sie plötzlich verboten sind.
Noch drei Wochen habe ich zu überstehen. Erst dann darf ich wieder in ein Tier beißen. Wen es interessiert, erzähle ich gerne, ob ich durchgehalten habe.
Eine Empfehlung, die ich jetzt schon gerne weitergeben möchte ist: auch wenn wir uns nicht oder nur teilweise vegetarisch ernähren möchten, sollten wir trotzdem mal in ein vegetarisches Kochbuch kucken. Die Rezeptideen inspirieren und werten die gemeinen Kochkünste auf. Und ein kleines Steak lässt sich allemal hinzufügen ;D
Von SpiegelOnline unlängst empfohlen: ein Kochbuch von Christel Kurz und ein Rezept für vegetarische Lasagne (wer es ausprobiert, möge mir bitte sagen, ob und wie gut es ist).
Ich habe mir dieses Kochbuch gekauft: Vegetarisch genießen