Fernwandern 4. Tag: Balmaha-Inversnaid
Geschrieben von clarice22 am Dienstag, 3. Mai 2011
Wir haben wieder fantastisches Wetter und sind gut gelaunt. Auf geht’s!
Zum Aufwärmen geht es sofort wieder steil bergauf. Zum Glück nur kurz, dann geht es direkt am Ufer des Loch Lomond entlang. Wir sind so zügig unterwegs, dass wir die erste Hälfte (12 km) der heutigen Etappe sogar in weniger Zeit schaffen (nur 2h), als im Wanderführer angegeben.
In Rowardennan, einem Ort, der quasi nur aus einem Hotel mit Campingplatz besteht, machen wir ein Stündchen Mittagspause und stärken uns mit der Soup of the Day des hiesigen Restaurants. Auf meine Frage, was es heute als Tagessuppe gäbe, antwortet der Bar-Mensch etwas, das so klingt wie Chikiwoki … oder so ähnlich. Ich blicke ihn ungläubig an, er verkneift sich ein Grinsen. Ich frage nach den Zutaten, aber er meint, er wüßte nicht, was drin sei. Und verkneift sich wieder ein Grinsen. Ich soll mich überraschen lassen und es sei eine echt schottische Köstlichkeit. Weil ich zuvor gelesen habe, dass es in Schottland viele Gerichte mit Innereien gibt, erkläre ich ihm lang und breit, dass ich Innereien nicht mag, aber er beruhigt mich, denn in ganz Schottland gäbe es kein Suppenrezept mit Innereien. Also bestellen wir zwei Mal Soup of the Day und bekommen einen wundervolle Hühnersuppe. Was daran nun schottisch sein soll, weiß ich nicht, aber sie ist lecker und stärkt uns für die zweite Hälfte des Weges. Die nächste Unterkunft haben wir uns auch gleich noch organisiert.
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Der zweite Teil führt uns auf einer alten Militärstraße durch einen Nadelwald, in dem angeblich Rob Roy sein Unwesen trieb. Ab jetzt zieht sich der Weg wieder ewig hin. Irgendwann machen wir Pause und setzen uns ins Gras. Großer Fehler, denn nach kurzer Zeit krabbeln mir Zecken über die Schuhe und ich springe trotz weher Füße auf. Ich entdecke noch mehr Zecken an Kleidung und Rucksack und werde wütend. Ich HASSE Zecken. Sie sehen aus wie Spinnen und von Spinnen bekomme ich Albträume. Obwohl ich eigentlich mehr Rast gebrauchen könnte, hält mich nichts mehr und wir gehen weiter. Irgendwann haben wir den Nadelwald passiert und gehen am Ufer des Sees entlang, durch Laubwald und über einen recht felsigen und verwurzelten Weg. Ohne zu wissen, wie weit wir schon sind, werden wir langsam müde und wollen nur noch ankommen.
Dann ein Schild. Wir haben noch 4 km vor uns! Diese Information zieht uns ganz schön runter. Außerdem geht uns das Wasser aus. Aus dem See dürfen wir aufgrund von erhöhtem Blaualgen-Vorkommen nicht trinken. Wir machen entmutigt Rast. Da überholen uns plötzlich drei Jungs, die laut Radio hören und unglaublich Tempo draufhaben. Sie halten an und fragen, ob bei uns alles ok ist. Wir bejahen und sagen, dass es ja noch 4 km bis zum Ziel sind. Da meint einer der drei, dass wir in 10 Minuten am Ziel wären. Ich glaube ihnen nicht, aber bei deren Tempo könnte das möglich sein. Trotzdem gibt uns die Aussage wieder Mut und wir gehen weiter. Nach 40 langen Minuten haben wir dann endlich Inversnaid, das ebenfalls nur aus einem Hotel und einer Handvoll Häuser besteht, erreicht und treffen auch die Jungs wieder, die sich mit uns freuen, dass wir es geschafft haben.
Wir haben dieses Mal keine Unterkunft im Hotel bekommen, dafür in diesem Bunkhouse. Es ist eine alte, umgebaute Kirche, die mitten im Wald steht …. mit wirklich nichts drumherum. Man hat in die Kirche eine Etage eingezogen. Oben ist das Restaurant, unten sind die Schlafgelegenheiten. Dem Namen machte die Unterkunft übrigens alle Ehre. Bunkhouse heißt Schlafbaracke und das war es auch: Es gibt nur zwei Toiletten/Duschen für die Damen, das Essen ist nicht besonders gut und die Zimmer sind klein, dunkel und feucht. Aber wir sollen ja auch nur eine Nacht dort schlafen. Also Augen zu und durch. Der Abend ist dann auch noch ganz lustig, weil nur sehr wenig Leute im Bunkhouse unterkommen können und alle zusammen im Restaurant sitzen. Big Dave, der als Mädchen-für-alles allen Gästen zuerst ein Zimmer verpasst und sie danach bewirtet, ist ein lustiger Kerl, der seine Aufgaben mit Hingabe erledigt.
Heute haben wir sogar 24 km bewältigt. Aber 24 lange Kilometer!