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Fernwandern 6. Tag: Inverarnan-Tyndrum

Geschrieben von clarice22 am Donnerstag, 5. Mai 2011

Heute Morgen fühle ich mich wieder besser und bin motiviert, die Etappe (20 km) in Angriff zu nehmen, obwohl mein Knie sich schon auf dem Weg zum Frühstück bemerkbar macht.

Obwohl es leicht regnet, ist die Gegend sehr schön. Wir laufen einige Zeit an einem eindrucksvoll tosenden Fluß entlang, laufen dann über Weiden und müssen sogar ziemlich nah an Kühen vorbei. Dazu muss ich erklären, dass ich Kühe nur von weitem gut finde. Wenn sie näher kommen, habe ich großen Respekt. Schließlich haben sie Hörner und sind viel größer und so. Außerdem las ich im Wanderführer, dass man um Stiere und Muttertiere mit Kälbern einen Bogen machen soll. Und klar, wenn so ein Stier auf dich zugerannt kommt und du auf einer Weide stehst, hast du auch nicht so viele Ausweich- bzw. Versteckmöglichkeiten, denn die Viecher sind auch noch schneller als du. An den vorherigen Tagen waren die Kühe immer hinter Zäunen. Heute jedoch nicht. Aber ich hab es überlebt, wie ihr sicherlich bemerkt.

Auch dieses Mal sind wir recht schnell unterwegs und kommen schneller als gedacht an der Etappenhälfte in der Nähe von Crianlarich an. Normalerweise pausieren wir bei der Hälfte etwa eine Stunde lang. Heute regnet es jedoch, so dass wir uns nur kurz in ein Waldstück setzen, um zu rasten. Dabei mache ich eine hübsche Entdeckung: auf den heruntergefallenen trockenen rotfarbenen Nadeln der Bäume wächst leuchtend grüner Klee. Das sieht einfach fantastisch aus.

Dann geht es weiter. Auch dieses Mal fühlt sich die zweite Etappenhälfte um einiges länger an als die erste. Wir gehen aufwärts durch einen malerischen Wald, über Farmgelände mit Schafweiden und schließlich abwärts durch Heidelandschaft.

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Gegen 16 Uhr kommen wir ausgepowert im Tigh na Froach bei Heather in Tyndrum an. Heather heißt uns herzlich willkommen und versorgt uns sofort mit Tee und Selbstgebackenem. Ich erzähle ihr von meinem Knie und sie bietet an, mir mit ihren heilenden Händen zu helfen. Sie praktiziert Reiki und diverse andere Therapien. Ich bin schon seit langem neugierig, was bei einer Reiki-Sitzung passiert und nehme das Angebot an. Nach etwa einer halben Stunde Handauflegen sind die Knieschmerzen tatsächlich weg. Leider nur für 10 Minuten, dann kommen sie wieder. Aber ok, zumindest ist meine Neugier befriedigt.

Wie die Damen in der Touristeninfo in Milngavie ist auch Heather ist der Meinung, dass wir die Unterkünfte hätten vorbuchen müssen. Sie meint, wir haben wohl einen Schutzengel. Diese Aussage verwundert uns nicht, denn Heather wirkt ein bißchen wie eine mit der Natur  verbundene und an höhere Kräfte glaubende freundliche Waldhexe. Mit ihrem roten, krausen und wallenden Haar, den großen Ohren und dem sommersprossigen Gesicht passt sie optisch voll in das Klischee. Weil die kommenden Etappenziele kleine Orte mit sehr wenig Unterkünften sind, wollen wir gleich die nächsten zwei Nächte buchen. Beim Organisieren der nächsten Nacht klappt alles wie gehabt, allerdings macht unser Schutzengel bei der übernächsten Unterkunft Pause und wir bekommen kein Zimmer. Dafür springt Heather ein und verweist uns an ein B&B am überübernächsten Etappenziel, das einen Abholservice anbietet. Man läuft einfach die nächste Etappe (Tag 8), ruft das B&B an, die holen einen ab und bringen einen am nächsten Morgen (Tag 9) an die Stelle zurück, so dass man ganz normal die übernächste Etappe laufen kann und nichts auslässt. Perfekt.

An diesem Abend gehen wir nur noch in den hiesigen Pub. Ich breche mit meiner Steak-Tradition und nehme Burger. Hmmm…eine gute Entscheidung.

Das B&B wird von der Familie geführt und das merkt man auch. Die Zimmer sind nett eingerichtet und die Betten sind himmlisch. Es ist das bequemste Bett auf meiner Reise. Tigh na Froach ist  übrigens gällisch für Haus von Heather, wobei Heather der englische Begriff für Heidekraut ist.

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